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Vorgeschichte
Die verkehrswissenschaftliche Forschung und Lehre in
Dresden beginnt am Ende des 19. Jahrhunderts an der
Technischen Bildungsanstalt (seit 1890: Technische Hochschule
Dresden).
Zunächst war die Weiterentwicklung der Eisenbahn in
technischer Hinsicht und ihre ökonomischen Auswirkungen
das Betätigungsfeld der Wissenschaftler. Auf dem Gebiet
der Ingenieurwissenschaften leistete Professor Andreas
Schubert durch den Bau der Lokomotive "Saxonia", die
Baubetreuung großer Brückenbauwerke in Sachsen und der
Konstruktion der ersten Schiffe für die Dresdner Elbschifffahrt
wertvolle Dienste. Später entwickelten sich aus den
klassischen Ingenieurwissenschaften die bis heute üblichen
Zweige der Verkehrswissenschaften: Verkehrswegebau,
Verkehrsmaschinentechnik und Verkehrsökonomie.
Fachbereich Bauingenieurwesen
· Lehrstuhl
für Straßen-, Wasser- und Eisenbahnbau (1869)
· Lehrstuhl
für Linienführung und Bahngestaltung, Eisenbahnbau,
Bahnhofsanlagen, Erd- und Tunnelbau (1924)
· Lehrstuhl
für Eisenbahn- und Verkehrswesen (1934)
Fachgebiet Maschineningenieurwesen
· Lehrstuhl
für Eisenbahnmaschinenwesen (ab 1920 ?)
Fakultät für Verkehrswissenschaften an der TH Dresden
Angesichts der Zerstörungen durch den 2. Weltkrieg
gab es für den Wiederaufbau eine hohen Bedarf an Verkehrsspezialisten.
Außerdem zeichnete sich in der Sowjetischen Besatzungszone
die Entwicklung hin zur Zentralverwaltungswirtschaft
ab. Diese Art der Organisation der Volkswirtschaft ist
stark hierarchisch gegliedert und erfordert viele "Kader".
Für den wissenschaftlichen Vorlauf auf dem Sektor des
Verkehrswesens waren an der TH Dresden bereits gute
Voraussetzungen gegeben.
Am 29. Oktober 1949 wurde an der Technischen Hochschule
Dresden die Fakultät für Wirtschafts- und
Verkehrswissenschaften gebildet. Anfang 1950 kam es
zur Trennung der Bereiche Wirtschaft und Verkehr und
damit zur Gründung der Fakultät für Verkehrswissenschaften
mit Prof. Hans Reingruber, dem damaligen Minister für
Verkehr der DDR als Dekan. Zur Fakultät gehörten
zunächst der Lehrstuhl für Eisenbahn- und
Verkehrswesen unter Prof. Reingruber sowie das Geographische
Institut. Im Jahre 1951 wurde der Lehrstuhl für
Betriebstechnik der Verkehrsmittel unter Gerhart Potthoff
gegründet.
Im Wintersemester 1950/'51 begann erstmalig die Ausbildung
der Studenten in der Studienrichtung Verkehrsingenieurwesen.
Die Ausbildung umfasste Komponenten der Gesellschafts-,
Rechts- und Wirtschaftswissenschaften ebenso wie die
mathematisch-naturwissenschaftlich und die ingenieurwissenschaftliche
Ausbildung. Dabei wurde allein die verkehrswissenschaftliche
durch die Fakultät Verkehrswissenschaften durchgeführt,
während die übrigen Ausbildungskomponenten
von Fakultäten für Wirtschaftswissenschaften,
Mathematik und Naturwissenschaften, Bauwesen, Maschinenbau
und Elektrotechnik durchgeführt wurden. Dieses
Prinzip ist nach Gründing der Fakultät Verkehrswissenschaften
"Friedrich List" wieder aufgegriffen worden
und wird seit 1992 angewendet.
Am 20 April 1951 wurde der Grundstein für das
Gebäude der Fakultät für Verkehrswissenschaften
gelegt. Der in der Hettnerstraße befindliche Bau
war während der Zeit der Hochschule für Verkehrswesen
das "H-Gebäude" und ist seit 1992 als
Gerhart-Potthoff-Bau wieder das Domizil der Fakultät
Verkehrswissenschaften "Friedrich List".
In der Zeit des wirtschaftlichen Wiederaufbaus der
DDR bestand ein enormer Bedarf an qualifizierten Spezialisten
für das Transport- und Nachrichtenwesen (anfangs
insbesondere Eisenbahn und Postwesen), der durch die
Kapazitäten der Fakultät nicht zu decken war.
In der Hauptabteilung Schulung des Ministeriums für
Verkehrswesen wurde zur Erarbeitung von Lösungsvorschlägen
eine Arbeitsgruppe gegründet, die zu folgendem
Ergebnis kam:
1. Die Fakultät für Verkehrswissenschaften
der TH Dresden ist weder qualitativ noch quantitativ
in der Lage, die geforderte Anzahl an Spezialisten
auszubilden.
- Die bisherige Ausbildung ist lediglich eine allgemeine
Einführung in die Spezialgebiete des Transportwesens.
- Die Ausbildungskapazität von jährlich
150 Studenten lag unter den geforderten 460 Absolventen.
2. Die Fakultät untersteht dem Ministerium
für Schwerindustrie, was sich aufgrund fehlender
Einflussnahme nachteilig auf die Ausbildung im Verkehrswesen
auswirken könnte.
3. Fazit: "Entwurf über die Errichtung
einer Hochschule, eines Hochschulinstitutes sowie
zweier Fachschulen für die Heranbildung von
Kadern für das Eisenbahn- und Transportwesen." |
Aufgrund der sich abzeichnenden Herauslösung der
Fakultät für Verkehrswissenschaften aus der
TH Dresden wurde 1951 der Lehrstuhl für Eisenbahn-
und Verkehrswesen und der Lehrstuhl für Eisenbahnsicherungswesen
in die Fakultät für Bauwesen eingegliedert,
um die Ausbildung auf diesen Gebieten an der TH Dresden
künftig zu sichern.
Im Zuge der Neugründung der Hochschule für
Verkehrswesen (HfV) wurde die Fakultät für
Verkehrswissenschaften der TH Dresden am 31. August
1952 aufgelöst. Die Studenten setzen ihre Ausbildung
und die Lehrkräfte ihre Tätigkeit am 1. September
1952 an der HfV fort.
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